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Long Shot – Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich

Fred Flarsky, der Name deutet die Überhöhung bereits an, ist gewillt dorthin zu gehen, wo es weh tut. Ob, als Jude im Undercover-Einsatz unter Nazis, sich dabei selbst ein Hakenkreuz-Tattoo stechen zu lassen, für den Journalisten ist kein Einsatz zu gering, um seiner moralischen Ehre der Berichterstattung gerecht zu werden.

Wenn Fred losjagt, so muss jedem klar sein, darf ihm niemals Parteiergreifung vorgeworfen werden. Als dann aus heiterem Himmel ein bekannter Medien-Tycoon, Rupert Murdoch und Donald Trump lassen grüßen, die kleine Redaktion aufkauft, in der Fred seine offenen, wie sachverständigen Worte schwingt, bleibt unserem Helden selbstverständlich kein anderer Weg als seinen Pfad nicht zu verlassen und eben so seine sofortige Kündigung einzureichen. Soviel zur Exposition dieses offenherzigen Mittdreißigers mit ungestilltem Weltverbesserungshunger.

Folgt man Jonathan Swift so gilt die Satire ja als leichteste Art geistreich zu sein. Und das ist sie auch hier. Jedoch nicht in dieser, die politischen, wie logischen Grenzen überhöhenden Warren Beattyschen Art, als eher fein konkoniert in den Hauptstrang einer Romantikkömödie.

Mit leichtem Herzen ist man offen für die vielen kleinen Lacher und die Magie der beiden Hauptdarsteller.

Das sind der Workaholic und ebenso im echten Leben äußert sozialpolitische Seth Rogen und die brillante, hoch dekorierte, in filmischer Hinsicht eine Allzweckwaffe, Charlize Theron. Sicherlich, es kommt nicht von ungefähr, dass besonders zwei Schauspieler mit Migrationshintergrund ganz auf der Höhe ihres Schaffen diesem Thema ihre Gesichter gegeben haben.

Liebe hat noch jede Grenze überwunden. Und als die beiden, der arbeitslose, untersetzte Journalist und die filigrane US-Außenministerin mit Aussicht auf eine  Präsidentschaftkandidatur aufeinandertreffen, setzt der Film an, sich in die Sphären einer Julia Roberts Komödie zu begeben.

Wie bereits im nicht nur Genre-bedeutenden „50/50 – Freunde fürs (Über)Leben“ versteht es Regisseur Jonathan Levine ein weiteres Mal mit seinem Gespür für Timing und den dezidierten Einsatz atmosphärischen Humors ein dichtes Netz an Unterhaltung, Parodie und Glückseligkeitsmomenten zu flechten, ganz ohne dabei je in die Untiefen des Kitsches zu verfallen.

So ist der Film, wie der Untertitel es nämlich anzudeuten scheint, „Long Shot – Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.“, gerade im Hinblick auf die politischen Nebenschauplätze in Zeiten von Brexit und Trump ein nuancierter Reminder im Gewand einer der besten Romcoms des Jahres 2019.

 

RL



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